Tag-Archiv für 'anquatschversuch'

Licht an! – Geheime Dienste scheuen die Helligkeit

Wir dokumentieren an dieser Stelle, dass es in Jena und Umgebung momentan einige Anquatschversuche durch staatliche Behörden gibt und – so zeigt die Erfahrung – weiterhin geben wird. Wie immer wollen sie Informationen über linke Strukturen, Zusammenhänge und Personen herausfinden.

So ein Anquatschversuch kann euch jederzeit und überall treffen: Zuhause, unterwegs oder nach einer Zeug:innenvernehmung. Immer ist es erschreckend, von Fremden mit Namen und Einzelheiten angesprochen zu werden. Doch es gilt Ruhe bewahren und keine Aussagen machen. Denn ihr müsst euch eines immer wieder vergegenwärtigen: Bevor der Verfassungsschutz oder Staatsschutz jemanden ansprechen, werden genaue Erkundigungen über die Zielperson eingeholt. Das Überraschungsmoment mag zunächst auf ihrer Seite sein, doch unser wirksamstes Mittel war und bleibt: Licht ins Dunkel zu bringen, indem wir Öffentlichkeit schaffen.

Wer von einem Anquatschversuch betroffen ist, sollte offen in seinem Umfeld damit umgehen. Wir warnen euch vor Spekulationen und dem Stille-Post-Effekt und raten euch dringend, uns so schnell wie möglich zu kontaktieren. Das vermeintlich klandestine Weitertragen irgendwelcher Infos potenziert nur die Verunsicherung in der Szene und hilft schlussendlich den Bullen. Es ist wichtig, dass Infos über Anquatschversuche uns vertrauensvoll und zeitnah erreichen. Eine offener Umgang mag euch und andere auch vor weiteren derartigen Versuchen schützen.

Ein offener und vertrauensvoller Umgang miteinander ist der beste Gegenangriff. Macht euch klar, jede und jeden kann es treffen. Vorwürfe und Sorgen vor Konsequenzen schüchtern euch nur ein und behindern eure Aktivitäten. Es ist nie zu spät, sich mit uns über so ein Angequatsche zu unterhalten, auch oder gerade auch wenn ihr das Gefühl habt, etwas falsch gemacht zu haben. Nur so können wir euch auch rechtliche Infos zu den Be- und Androhungen geben, die es bei diesen Versuchen immer wieder gibt.

Deshalb: kommt zu uns und lasst uns gemeinsam etwas Helligkeit schaffen! So könnt ihr euch und andere schützen.

Getroffen hat es einige, gemeint sind wir alle
Solidarität ist unsere Waffe!

Anquatschversuche des Verfassungsschutzes

Anquatschversuch in Erfurt

In der letzten Woche wurden mehrere linke Aktivist_innen in Erfurt von sogenannten „Verfassungsschützer_innen“ angequatscht. Bei zwei Personen hatten die Staatsbüttel keinen Erfolg. Gespräche wurden verweigert und die Bullen weggeschickt. Bereits im September letzten Jahres und vor zwei Wochen kam es zu Anquatschversuchen in Zella-Mehlis und Ilmenau. Im folgenden werden die Geschehnisse aus Sicht der Betroffenen erzählt.

Am heutigen Donnerstag hat ein Beamter zum zweiten mal versucht, C. aus Erfurt anzuquatschen. Bereits am Vortag klingelte die selbe Person an der Wohnung des Betroffenen, ging aber aufgrund der Nichtanwesenheit unverrichteter Dinge wieder. Heute Nachmittag gegen 16.15 Uhr warteten zwei Beamte in einem dunklen PKW mit Hamburger Kennzeichen vor der Wohnung der betroffenen Person. Als die Zielperson vorfuhr und das Auto verließ, stieg auch einer der Beamten aus. Er sprach C. mit seinem Vornamen an, zeigte seinen Ausweis und bat um ein Gespräch. C. wies ab. Etwas eindringlicher sagte der Bulle „Es geht um Weimar. Es ist besser, wenn Du mit mir redest, auch wegen Deiner Zukunft.“ C. wies den Staatsbüttel erneut ab. Er ließ den Bullen stehen und ging in seine Wohnung. Daraufhin fuhren auch die Bullen davon.Der sportliche Cop war ca. 1.80m groß, etwa 30 Jahre alt und trug kurze dunkle gegelte Haare.

weiterlesen auf Indymedia

Anquatschversuch in Ilmenau

Am Nachmittag des 14. April kam es in Ilmenau zu einen Anquatschversuch durch den Verfassungsschutz. Wie schon in Zella-Mehlis (RHSTH berichtete) wurde eine Person angesprochen, die der VS der linken Szene zurechnet.

Der Mitarbeiter der Spitzelbehörde, der sich als Tim Klein auswies, befragt X zu dem Naziangriff im Februar in Ilmenau (AGIL berichtete) und ob X sich dadurch ebenfalls bedroht fühle. X verneinte und wollte das Gespräch beenden. Der Spitzel versuchte sich darauf hin mit X einige Tage später auf einen Kaffee zu verabreden. Dort könne man nochmal über diverse Themen in Ruhe reden. X ließ ihn daraufhin abblitzen.

weiterlesen bei der Roten Hilfe Südthüringen

Anquatschveruch in Weimar

Am Donnerstag, den 20. Januar 2011 kam es vor „Henry’s Bar und Café“ in Weimar zu einem Anquatschversuch. Keine 200 Meter vom soziokulturellen Zentrum, der „Gerber 1“ entfernt wurde Arthur* von einem sportlichen, ca. 1,80m großen, jungen Mann mit kurzen schwarzen Haaren, blauer Jeans und brauner Jacke mit vollem Namen angesprochen. Dieser wies sich als Mitarbeiter des Thüringer Landesamtes für Verfassungsschutz aus und behauptete, dass er sich wegen der „Sponti“ für Alexandros und den Sprühereien im Vorfeld dringend mal mit Arthur zum Kaffeetrinken treffen müsse. Obwohl Arthur ihm entgegnete, dass er mit solchen Sachen nichts zu tun habe, drängte der VS-Mitarbeiter auf ein Treffen und bat darüber hinaus erfolglos um Arthurs Handynummer. Arthur verabredete mit ihm für die darauffolgende Woche ein Gespräch. Bis dahin, so der VS-Mann, solle Arthur „unbedingt die Klappe halten“ und niemandem von diesem Treffen erzählen. (mehr…)

Anquatschversuch in Zella-Mehlis

Bericht der Roten Hilfe Südthüringen

In den vergangenen Wochen war der Geheimdienst „Thüringer Landesamt für Verfassungsschutz“ in Zella-Mehlis aktiv. Angequatscht wurde ein junger Mensch, der sich in der alternativen Szene bewegt. Leider ist die Spitzelei nicht so konsequent abgewehrt worden, wie bei vergangenen Versuchen.

Am 18. August klingelte ein etwa 1,75m großer Mann mit kurzen, dunklen, gelockten Haaren, sportlicher Kleidung bei X an der Wohnungstür. Er stellte sich als Stefan vor und fuhr einen dunkelblauen bis schwarzen VW Golf mit SM-Kennzeichen. Er schlug X vor einen Kaffee bei Mc Donalds trinken zu gehen und gab sich als Mitarbeiter des Verfassungsschutz zu erkennen. X willigte ein. Ein Fehler. Der Mitarbeiter des Geheimdienst befragte X über sein Wissen bezüglich der Südthüringer Antifa-Gruppe AGST und nannte ihm 5 bis 6 Namen, über die er sein Wissen preis geben sollte. Die Personen sollen sich wohl, laut Information des Verfassungsschutz, im Umfeld der Antifa-Gruppe bewegen. X antworte wahrheitsgemäß, er kenne diese Leute nicht. Auch ist X nicht an politische Zusammenhänge in Südthüringen angebunden und konnte dem VS-Mann dementsprechend wenige Informationen geben. Was dann folgte, sagt viel aus über die Praxis der Institution Verfassungsschutz und über das was es da zu schützen gibt. Der VS-Mann machte X das Angebot ihm für Informationen 400 bis 600 Euro zukommen zu lassen, wenn er Mitglied bei der Antifa wird und 150 bis 450 Euro, wenn er es nicht wird und trotzdem Informationen besorgt. „Stefan“ zeigte sich auch gut informiert über X’s prekäre finanzielle Lage und zeigte ihm einen möglichen Ausweg: Verrat an Leuten, die sich für Freiheit und Solidarität einsetzen.

Nach dem Gespräch ließ sich X wieder nach Hause fahren und sagte dem VS-Mann, er wolle es sich erstmal überlegen, ob er auf das Angebot eingeht. Eine Woche später kam „Stefan“ wieder zu X, um ihn zu fragen, wie er sich entschieden hat. X sagte, er müsse das Angebot ablehnen, weil er sonst den Leuten nicht mehr in die Augen schauen könnte. Der VS-Mann ließ seine Telefonnummer zurück und verschwand.

Das perfide Agieren des Geheimdienst-Mitarbeiters „Stefan“ ist das übliche Vorgehen einer Behörde, die ihrem Rechtsvorgänger in nichts nachstehen will. Sie sucht sich junge Linke mit finanziellen und/oder rechtlichen Problemen und versucht diese über eine Art Ablasshandel zu ködern. Es gibt nur eine Art Umgang, die eine solidarische Linke vornehmen kann, wenn die Spitzel einmal klingeln: Wegschicken und Tür zu! Merkt euch Aussehen und Erscheinung, zückt eure Handykameras, wenn sich die Gelegenheit bietet. Meldet Anwerbeversuche bei den lokalen Ortsgruppen der Roten Hilfe! Vor nichts haben diese Leute mehr Angst, als vor Öffentlichkeit. Schließlich ist davon auszugehen, dass noch nicht alle Gesellschaftsmitglieder so dumm gemacht worden sind, um das perfide Vorgehen des VS zu rechtfertigen.

Quelle