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Licht an! – Geheime Dienste scheuen die Helligkeit

Wir dokumentieren an dieser Stelle, dass es in Jena und Umgebung momentan einige Anquatschversuche durch staatliche Behörden gibt und – so zeigt die Erfahrung – weiterhin geben wird. Wie immer wollen sie Informationen über linke Strukturen, Zusammenhänge und Personen herausfinden.

So ein Anquatschversuch kann euch jederzeit und überall treffen: Zuhause, unterwegs oder nach einer Zeug:innenvernehmung. Immer ist es erschreckend, von Fremden mit Namen und Einzelheiten angesprochen zu werden. Doch es gilt Ruhe bewahren und keine Aussagen machen. Denn ihr müsst euch eines immer wieder vergegenwärtigen: Bevor der Verfassungsschutz oder Staatsschutz jemanden ansprechen, werden genaue Erkundigungen über die Zielperson eingeholt. Das Überraschungsmoment mag zunächst auf ihrer Seite sein, doch unser wirksamstes Mittel war und bleibt: Licht ins Dunkel zu bringen, indem wir Öffentlichkeit schaffen.

Wer von einem Anquatschversuch betroffen ist, sollte offen in seinem Umfeld damit umgehen. Wir warnen euch vor Spekulationen und dem Stille-Post-Effekt und raten euch dringend, uns so schnell wie möglich zu kontaktieren. Das vermeintlich klandestine Weitertragen irgendwelcher Infos potenziert nur die Verunsicherung in der Szene und hilft schlussendlich den Bullen. Es ist wichtig, dass Infos über Anquatschversuche uns vertrauensvoll und zeitnah erreichen. Eine offener Umgang mag euch und andere auch vor weiteren derartigen Versuchen schützen.

Ein offener und vertrauensvoller Umgang miteinander ist der beste Gegenangriff. Macht euch klar, jede und jeden kann es treffen. Vorwürfe und Sorgen vor Konsequenzen schüchtern euch nur ein und behindern eure Aktivitäten. Es ist nie zu spät, sich mit uns über so ein Angequatsche zu unterhalten, auch oder gerade auch wenn ihr das Gefühl habt, etwas falsch gemacht zu haben. Nur so können wir euch auch rechtliche Infos zu den Be- und Androhungen geben, die es bei diesen Versuchen immer wieder gibt.

Deshalb: kommt zu uns und lasst uns gemeinsam etwas Helligkeit schaffen! So könnt ihr euch und andere schützen.

Getroffen hat es einige, gemeint sind wir alle
Solidarität ist unsere Waffe!

Da singt doch eine*r?

Aus sicherer Quelle wissen wir, dass die Bullen eine sogenannte V-Person in Jena bzw. Szeneumfeld führen. Leider wissen wir (noch) nicht, wer diese Person ist. In dieser Situation sind nun zwei Dinge ganz wichtig:

Betreffend eurer politischen Aktionen, überlegt euch gut und genau, mit wem ihr was besprecht. Es gibt sicher gute Gründe, Aktionen besprechen. Fame ist kein guter Grund!
Gebt nicht mit Aktionen an, sprecht nicht mit anderen darüber und verbreitet keine Gerüchte!

Zum anderen werden auch einige von euch nun überlegen, wer es sein könnte. Hier ist es mega wichtig, dass nun keine wilden Gerüchte verbreitet werden! Die Erfahrung hat gezeigt, dass bei Vermutungen in solchen Fällen persönliche Ressentiments oftmals eine große Rolle spielen. Bitte unternehmt keine überstürzten Outings, Gruppenausschlüsse o.ä. Das Wissen über mögliche Informat*innen können die politische Arbeit einer ganzen Szene weitestgehend lahmlegen und langfristig schädigen, wenn damit unvorsichtig umgegangen wird! Das spielt den Repressionsorganen in die Hände.
Sprich also erst darüber, wenn du dir sicher bist, dass es Gründe für deinen Verdacht gibt. Sprich vorsichtig und ohne bereits Beschuldigungen zu erheben, mit ein, zwei Leuten, denen du vertraust, um zu sehen, ob nur du diesen Verdacht hast. Sprecht auf keinen Fall an (überwachten?) Telefonen, Chatgruppen oder in euren Wohnungen darüber, für solche Gespräche macht einen Spaziergang ohne Handys.
Wenn sich euer Verdacht erhärtet, meldet euch bei uns, damit wir gemeinsam einen Fahrplan machen, wie weiter vorzugehen ist.

Wir informieren euch, sobald wir konkretere Infos haben.
Meldet euch, wenn ihr Hilfe braucht und am wichtigsten: bleibt solidarisch!!!

Eure Rote Hilfe Jena

Ausführliche Infos zum Umgang mit V-Personen und Spitzeln findet ihr auch in der Broschüre „Schöner Leben ohne Spitzel“ https://www.berlin.rote-hilfe.de/wp-content/uploads/2015/07/schoener_leben_ohne_spitzel.pdf

Antifaschismus lässt sich weder verbieten, noch einsperren – Freiheit für Lina!

geteiltes Statement der BB/BO-Soligruppe Jena (https://ggbo.de/freiheit-fuer-lina/)

Am 5. November 2020 wurde die Studentin Lina aus Leipzig im Rahmen einer größeren Razzia verhaftet und anschließend in Untersuchungshaft gesteckt. Seitdem sitzt sie in der JVA Chemnitz. Ihr wird vorgeworfen, sie habe als Kopf einer „kriminellen Vereinigung“ nach § 129 StGB Angriffe auf Neonazis organisiert und durchgeführt. Dabei geht es vor allem um zwei Angriffe auf eine Eisenacher Neonazi-Kneipe und ihren Betreiber Ende 2019.

Die Eisenacher Neonazi-Szene, insbesondere der Betreiber der besagten Kneipe, sind Teil nationaler und internationaler bewaffneter Neonazi-Netzwerke1. Die letzten rechten Terror- und Mordanschläge auf Walter Lübcke, auf die Synagoge in Halle und die Shisha-Bar in Hanau und viele weitere Angriffe zeigen deutlich, wozu diese Netzwerke schon jetzt in der Lage sind.

Immer wieder wird uns jedoch vor Augen geführt, dass Hoffnungen auf ein konsequentes Durchgreifen des Staates und seiner Justiz nur enttäuscht werden können: Die 15 Neonazi-Schläger, die 2014 eine Kirmesgesellschaft in Ballstädt brutal überfallen haben, sind nach sieben Jahren nicht nur immer noch nicht verurteilt; die Staatsanwaltschaft versucht derzeit, ihnen mit einem Deal die Haftstrafen zu ersparen.2 Von über 200 bewaffneten Neonzis, die im Januar 2016 die Wolfgang-Heinze-Straße in Connewitz verwüsteten, wurden bisher – fünf Jahre nach der Tat – nur zwei Drittel und das fast ausschließlich zu Bewährungsstrafen verurteilt.3 Die Neonazis, die mutmaßlich im Mai 2016 das AJZ in Erfurt angegriffen hatten, wurden im November 2020 – viereinhalb Jahre nach der Tat – freigesprochen bzw. ein Verfahren wurde eingestellt.4

Darüber hinaus machen aufgeflogene Chatgruppen von Polizist:innen, die Beteiligung von Bundeswehr-Soldaten im rechtsterroristischen Nordkreuz-Netzwerk, die Rolle des Verfassungsschutzes beim Neonazi-Terror-Netzwerk NSU, Aktionen von Polizist:innen unter dem Label „NSU 2.0“ und viele weitere angebliche Einzelfälle deutlich, dass staatliche Behörden Teil des Neonazi-Problems sind. So blenden auch in juristischen Prozessen Gericht und Staatsanwaltschaft regelmäßig die politische Dimension der Gewalttaten aus.

Gegen die Bedrohung durch die Neonazis und angesichts der Verwicklung und der Tatenlosigkeit der staatlichen Behörden ist der Selbstschutz, der Schutz unserer Freiheit und unserer Leben, Aufgabe der Gesellschaft selbst bzw. der antifaschistischen Bewegung.

Aus diesem Grund stellen wir uns entschieden gegen die staatliche Verfolgung des Antifaschismus – sei es durch Verbote, wie SPD-Innenminister von Niedersachen Boris Pistorius sie gerade prüft5, sei es durch Überwachung und Knast wie im Fall von Lina.

Freiheit für Lina! Wir sind alle Antifa!

Wir unterstützen auch die Spendenkampagne für die Gerichtskosten von Lina:

Rote Hilfe e.V.
GLS-Bank
Konto-Nr.: 4007 238 317
BLZ: 430 609 67 IBAN: DE55 4306 0967 4007 2383 17
BIC: GENODEM1GLS
Stichwort: unverzagt

Unterzeichnet von folgenden Gruppen und Organisationen:

ABC Jena

Café Wagner

Dissens – Antifaschistische Gruppe Erfurt

Falken Jena

F*Antifa Tresen

Freie Arbeiterinnen- und Arbeiter-Union (FAU) Jena

Feministisch Kreativ Kämpferisch (FKK)

Frauen*Streik Jena. Auf zum feministischen Streik

Fridays for Future Jena

GG/BO-Soligruppe Jena

Infoladen Sabotnik

Initiative Schwarze Menschen in Deutschland, Gruppe Thüringen

Nationalismus ist keine Alternative (NIKA) Jena

NSU Komplex Auflösen Ortsgruppe Jena

Pekari. Linke Basisgruppe

Recht auf Stadt Jena

Rote Hilfe Erfurt

Rote Hilfe Jena

s.P.u.K. – solidarische Politik und unkommerzielle Kultur

The VOICE Refugee Forum

Tierbefreier*innen Jena

zweiteroktober90.de

Ya Basta Gruppe Jena

Weitere Infos

1 https://www.antifainfoblatt.de/artikel/%E2%80%9Eatomwaffen-division%E2%80%9C-th%C3%BCringen

2 https://www.mdr.de/thueringen/west-thueringen/gotha/ballstaedt-neonazi-ueberfall-neuauflage-prozess-deal-100.html

3 https://www.neues-deutschland.de/artikel/1146779.connewitz-im-schneckentempo-zu-milden-urteilen.html

4 https://ezra.de/einstellung-und-freispruch-im-prozess-zum-bewaffneten-neonazi-angriff-auf-das-ajz-erfurt-2016-ezra-und-mobit-sehen-in-straflosigkeit-fuer-neonazis-einen-grund-fuer-weitere-eskalation-rechter-gewalt/

5 https://wirsindalleantifa.wordpress.com/

Die von den einzelnen AutorInnen veröffentlichten Beiträge geben nicht die Meinung der gesamten GG/BO und ihrer Soligruppen wieder. Die GG/BO und ihre Soligruppen machen sich die Ansichten der AutorInnen nur insoweit zu eigen oder teilen diese, als dies ausdrücklich bei dem jeweiligen Text kenntlich gemacht ist.

Zur Sponti am 11.11. & 13.03. und einem solidarischen Umgang mit Repression

Bereits die Sponti vom 11.11. zieht eine größere Repression nach sich, die mit den Ereignissen vom vergangenen Samstag Abend wohl noch mal zunehmen wird. Es ist uns ein großes Anliegen, dass mit dieser Repression solidarisch und verantwortungsbewusst umgegangen wird, deshalb nehmt euch bitte ein paar Minuten Zeit um diese Zeilen zu lesen!

Wenn ihr eine Vorladung bekommt, meldet euch doch bitte per Mail bei uns, damit wir gemeinsam rausfinden können, was zu tun ist und wir einen Überblick über die laufenden Ermittlungen bekommen. Außerdem können (und sollten) wir euch ggf. eine anwaltliche Vertretung organisieren. Es ist absolut wichtig, dass niemensch alleine zu so einer Vorladung geht, denn es geht in dem Fall nicht nur um euch, sondern um alle ,die an der Sponti beteiligt waren oder denen das unterstellt wird. Also seid solidarisch und geht verantwortungsbewusst mit der Repression um.
Nach der letzten Sponti am 11.11. haben die Bullen außerdem Vorladungen zur DNA-Entnahme verschickt. Hier ist es wichtig zu checken, ob diese richterlich angeordnet ist oder nicht. Wenn nicht, ist es keine Pflicht zu erscheinen und natürlich auch absolut nicht ratsam. Wenn ihr so einen Brief bekommt, meldet euch doch bitte bei uns.

Außerdem gilt wie immer:
- Räumt eure Wohnungen, WG`s, Projekte auf! Lasst alles verschwinden, was ihr an dem Abend getragen, benutzt habt. Neue Schuhe, Handschuhe, eine neue Jacke sind günstiger als ein Gerichtsverfahren. Lasst alles was euch einer Gruppe oder einem Zusammenhang zuordnen lässt, verschwinden. Guckt mal durch eure Papierstapel und sonstigen Ablagen, ob da strafrechtlich relevante Dinge notiert sind, oder Notizen zum letzten Gruppen-Plenum. Löscht die Chatverläufe auf eurem Handy!!

- Wenn ihr mit anderen Menschen zusammen wohnt, macht deutlich lesbare Schilder an eure Zimmertüren (Nachname, Vorname, Geburtsdatum) der dort wohnenden Person. Falls ihr einen Hund habt, notiert das auch auf dem Schild.

- Sprecht nicht mit anderen über Inhalte des Geschehens. Es geht nicht darum wer, was was gemacht hat, was richtig oder falsch war. Heldengeschichten gefährden nicht nur euch,
auch andere. Wenn Gesprächsbedarf habt, nehmt euch eure Lieblingsgenoss*in und geht ohne Handy nach Draußen an einem ruhigen Ort spazieren.

- Wenn eure Personalien kontrolliert wurden oder ihr sonstigen Polizeikontakt hattet, meldet euch
umgehend bei uns. Ihr könnt uns eine Mail schreiben, wenn ihr die Möglichkeit dazu habt gerne verschlüsselt.

Unsere Solidarität ist die stärkste Waffe im Kampf gegen ihre Repression!
Eure Rote Hilfe Jena

Keine Sprechstunde ab 13.01.2021

Momentan können wir pandemiebedingt keine Sprechstunde anbieten. Sobald das wieder möglich ist, veröffentlichen wir den nächsten Termin hier. Wir sind aber die ganze Zeit per Mail erreichbar: jena@rote-hilfe.de.

Solidarität ist eine Waffe!
Eure Rote Hilfe Jena

Solidarität ist eine Waffe! Anmerkungen zur Sponti am 11.11. in Jena

Liebe Genoss*innen,

nach den gestrigen Ereignissen in Jena, gilt es jetzt ein paar sehr wichtige
Dinge zu beachten:

- Räumt eure Wohnungen, WG`s, Projekte auf! Lasst alles verschwinden,
was ihr an dem Abend getragen, benutzt habt. Neue Schuhe, Handschuhe, eine
neue Jacke sind günstiger als ein Gerichtsverfahren. Lasst alles was
euch einer Gruppe oder einem Zusammenhang zuordnen lässt, verschwinden.
Guckt mal durch eure Papierstapel und sonstigen Ablagen ob da
strafrechtlich relevante Dinge notiert sind, oder Notizen zum letzten
Gruppen-Plenum. Löscht die Chatverläufe auf eurem Handy.

- Wenn ihr mit anderen Menschen zusammen wohnt, macht deutlich lesbare
Schilder an eure Zimmertüren (Nachname, Vorname, Geburtsdatum) der dort wohnenden Person.
Falls ihr einen Hund habt, notiert das auch auf dem Schild.

- Sprecht nicht in der Öffentlichkeit oder zuhause mit anderen über
Inhalte des Geschehens. Es geht nicht darum wer, was was gemacht hat,
was richtig oder falsch war. Heldengeschichten gefährden nicht nur euch,
auch andere. Vor allem sprecht nicht darüber wenn Handys in der Tasche
oder im Raum sind. Wenn Gesprächsbedarf habt, nehmt euch eure
Lieblingsgenoss*in und geht ohne Handy nach Draußen an einem ruhigen Ort.

- Wenn eure Personalien kontrolliert wurden, ihr einen Platzverweis
erhalten habt oder ihr sonstigen Polizeikontakt hattet, meldet euch
umgehend bei uns. Ihr könnt uns eine Mail schreiben, wenn ihr die Möglichkeit dazu habt gerne verschlüsselt.
Und/oder ihr kommt zur Sprechstunde, die ist jeden 2. und 4. Mittwoch im Monat im Infoladen (Schillergässchen 5).

Solidarität ist eine Waffe!

Eure Rote Hilfe Jena

Wir fordern: keine Repression wegen Sponti wärend Lockdown

(Stellungnahme von Betroffenen)
Am 21. April 2020, kam es zu einer Spontandemo in Jena. Etwa 50 Menschen zogen mit Bannern vom Holzmarkt in Richtung Paradiespark. Sie wollten darauf Aufmerksam machen, dass Missstände auch während Corona keine Pause machen, sondern in dieser Zeit oft noch verstärkt auftreten. Den Teilnehmenden war es wichtig darauf hinzuweisen, das z.B. in Griechenland Geflüchtetenlager unter extremen Bedingungen für die Menschen dort weiterbestehen oder das die Klimakrise fortschreitet und z.B. RWE Kohle abbaut usw..
Die Teilnehmenden hielten während der ganzen Zeit die Corona-Hygienevorschriften ein und waren in 2er Gruppen oder einem Haushalt zugehörig unterwegs, sie trugen Mund-Nasen-Masken und hielten den mindest Abstand von 1,5m zu anderen Beteiligten. Umso erstaunlicher war es, dass die Polizisten, welche als erstes am Ort der Demo eintrafen, zum Teil keine Masken trugen und den Mindestabstand nicht wahrten. Im Gegenteil, sie schrien Teilnehmende an, hielten diese fest und eine Person wurde sogar geschubst. Auch wurden die Betroffenen mindestens eine halbe Stunde Lang von den Polizisten so eng eingekesselt, dass es ihnen nicht mehr möglich war den Mindestabstand zueinander einzuhalten. Eine Aufforderung diese Demo aufzulösen gab es nicht. Menschen die verdächtigt wurden Teil der Demo zu sein wurden in Gewahrsam genommen und Erkennungsdienstlich behandelt. Es wurde ebenso die Pressefreiheit beschnitten und als Pressevertreter kenntliche Personen, wurden in Gewahrsam genommen und mussten ihre komplette Ausrüstung abgeben.
(https://libertad-media.de/2020/thueringer-polizei-nimmt-pressevertreterinnen-fest-und-konfisziert-kameras-in-jena-demonstrierten-50-menschen-trotz-demoverbot/)

Das Ganze ereignete sich vor dem rechtlichen Hintergrund, dass das Bundesverfassungsgericht einige Tage zuvor ein Urteil, gefällt hatte, aus dem hervorging, dass auch der Schutz vor Corona nicht dazu dienen kann die Demonstrationsfreiheit außer Kraft zu setzten. Das Land Thüringen hatte auf dieses Gerichtsurteil noch nicht reagiert und das Demonstrationsverbot bis dato noch nicht aufgehoben.
(https://www.bundesverfassungsgericht.de/SharedDocs/Pressemitteilungen/DE/2020/bvg20-025.html)
Bodo Ramelow bezog sich ebenfalls positiv auf die Spontandemo und zwei Tage später wurde das Versammlungsverbot für Thüringen aufgehoben.

Umso verwunderlicher war es, dass Menschen welche auf Verdacht stehen an der Demo teilgenommen zu haben, Ende Juni einen Anhörungsbogen und Mitte August einen Bußgeldbescheid in Höhe von 328,50, wegen einer vorgeworfenen Ordnungswidrigkeit durch die Stadt Jena bekamen .
Wir empfinden dieses Vorgehen als ungerechtfertigt und fordern die zuständigen Behörden auf das Verfahren einzustellen. Wie auch die Einstellung aller in Deutschland laufender Verfahren gegen Demonstrationen die einen ähnlichen Hintergrund haben wie sie z.B. in Berlin, Frankfurt und im Wendland stattfanden. Wir erklären uns solidarisch mit den Menschen die in deren Nachgang von Repression betroffen sind. Weiterhin fordern wir die Anerkennung dieser Demo als Spontandemo und nicht als deren Wertung als illegale Versammlung.
Für ein Recht auf Versammlungsfreiheit auch in krisenhaften Zeiten!
(Deutlich möchten wir uns dennoch von den „Hygienedemos“ und Verschwörungs-theoretiker*innen-Versammlungen distanzieren und teilen deren Ansichten nicht.)

Versammlungsrecht: zur aktuellen Situation in Thüringen. Stand 29.04.2020

Durch den Druck von der Straße und der Gerichte hat die Thüringer Landesregierung eingelenkt, ihre aktuelle Corona-Verordnung geändert und das absolute Versammlungsverbot wenigstens etwas geöffnet. Dass die Landesregierung in diesem Zusammenhang davon spricht, „Versammlungen zu erlauben“1 zeigt etwas über ihre Haltung zum Versammlungsrecht. Denn tatsächlich ist es unser Recht auf die Straße zu gehen, dass uns nicht von der Landesregierung erlaubt werden muss, vielmehr hatten sie es komplett verboten.
Am Dienstag, dem 21.4., wollten viele Menschen diese krasse Einschränkung ihrer Grundrechte durch das absolute Versammlungsverbot nicht mehr hinnehmen und gingen trotzdem auf die Straße. Dir Polizei schritt ein und hat unseres Wissens nach von 11 Betroffenen die Personalien aufgenommen und ED-Behandlungen durchgeführt. Gleichzeitig wurde eine Kundgebung für Donnerstag angemeldet mit dem Hinweis darauf, dass das Totalverbot in Thüringen mit dem aktuellen Urteil des Verfassungsgerichtes zum Versammlungsrecht nicht mehr haltbar ist und die Anmelder*innen ihr Recht auf Versammlung einklagen werden.
In einem Tweet vom 23.4. schreibt Bodo Ramelow, dass der Ausgangspunkt für die neue Bewertung des Versammlungsrechts in Thüringen die Demo in Jena am Dienstag, den 21.4., war. Offensichtlich brauchte es erst die Personalienaufnahme und ED-Behandlung von 11 Menschen in Jena und ein Urteil des Bundesverfassungsgerichtes, nach dem wohl auch das absolute Versammlungsverbot in Thüringen nicht vertretbar war, um die Landesregierung dazu zu bringen ihre aktuelle Verordnung zu überdenken. Wir fordern deshalb, dass keine*r der Betroffen vom vergangenen Dienstag strafrechtlich für die Teilnahme an der Demonstration belangt wird!
Die starken Einschränkungen des Versammlungsrechts werden uns voraussichtlich noch eine ganze Weile erhalten bleiben. Hierzu wird es in den nächsten Wochen und Monaten vielfältige kreative wie verantwortungsbewusste Ansätze brauchen, die die notwendigen Maßnahmen berücksichtigen und gleichzeitig dem aktuell deutlich spürbaren Autoritätsüberschuss etwas entgegensetzen. Wir werden versuchen euch auf unserem Blog über die Entwicklung auf dem Laufenden zu halten.

Für alle, die gerne eine Kundgebung oder Demo anmelden möchten, stehen wir gern beratend zur Verfügung. Laut der dritten Thüringer Corona-Verordnung2 ist die Rechtslage vorerst so, dass Versammlungen unter freiem Himmel mit bis zu 50 Versammlungsteilnehmern zulässig sind, soweit die Einhaltung der Personenobergrenze und die Beachtung und Einhaltung der Hygienevorschriften gewährleistet sind.
In einigen Kommunen in Thüringen fordert das Ordnungsamt, dass für den Fall einer Corona Infektion eines Teilnehmenden die Personalien und Kontaktdaten aller Teilnehmenden aufgenommen werden. Die ist so nicht in der Thüringer Corona-Verordnung vorgesehen und sollte auch nicht von den Anmelder*innen akzeptiert werden. Zum Teil haben Anmelder*innen Kompromisse aushandeln können, sodass die Liste bei den Anmelder*innen oder einem Anwalt/ Anwältin des Vertrauens bleibt und nur bei tatsächlicher Infektion ans Gesundheitsamt übergeben wird. In jedem Fall wäre es wichtig, dass ihr gegen einen Auflagenbescheid der das Anfertigen einer solchen Liste beinhaltet, Widerspruch einlegt. So kann im Nachhinein gerichtlich überprüfen werden, ob eine solche Auflage rechtmäßig ist. Um nicht mehrere Gerichtsverhandlungen hierzu parallel zu führen und somit sinnlos Geld auszugeben wäre es super, ihr meldet euch in dem Fall, um das etwas zu koordinieren.

Bei Fragen und Anmerkungen schreibt uns gern!

Solidarische Grüße!
Eure Rote Hilfe Jena

  1. Bulletin 38/2020; [zurück]
  2. Dritte Thüringer Verordnung über erforderliche Maßnahmen zur Eindämmung der Ausbreitung des Coronavirus SARS-CoV-2 [zurück]

Gemeinsame Zugfahrt von Jena zur Frauenkampftagsdemo zur JVA Chemnitz am 7.3.

Geteilter Aufruf der GG/BO Jena

https://gefangenensolijena.noblogs.org/post/2020/03/04/gemeinsame-zugfahrt-von-jena-zur-frauenkampftagsdemo-zur-jva-chemnitz-am-7-3/

Dieses Jahr findet zum vierten Mal anlässlich des Frauenkampftags eine
Demonstration zur Frauen-JVA Chemnitz statt, siehe den Aufruf auf der
Seite des Anarchist Black Cross Dresden.

Die Soligruppe Jena der Gefangenen-Gewerkschaft unterstützt die
Demo, da sich einige Mitglieder der GG/BO in der JVA Chemnitz engagieren.

Die GG/BO Jena lädt alle dazu ein am Samstag, 7. März 2020 zusammen nach
Chemnitz zu fahren und an der Demo teilzunehmen.

Abfahrt mit dem Zug von Jena-West: 10:22
Rückfahrt von Chemnitz-Süd: 17:33 (Ankunft in Jena-West: 19:36)

Wer sich anschließen möchte, sei am besten 10:10 am Westbahnhof. Falls
ihr Fragen habt, schreibt gerne eine E-Mail an die GG/BO Jena: ggbo-soli-jena@riseup.net

Sommerpause

Am 24.7. findet keine Rote-Hilfe Sprechstunde statt. Am 14.8. sind wir wieder da.